Der Laugenturm

Der Laugenturm in den 1960er Jahren. Er war mit rund 45 m das höchste Gebäude des Zellstoffwerkes. Der Bau des Turmes wurde ab 1940 geplant und trotz der Widrigkeiten der Kriegszeit auch durchgeführt. 1943 konnte der Turm in Betrieb genommen werden und löste den alten Holzturm ab.
Im obigen Bild sieht man rechts neben dem Turm auch das 1949 errichtete neue Röstofengebäude.

Der Laugenturm diente zur Herstellung der Kalziumbisulfitlauge für den Kochprozess. Dazu musste zunächst in einem speziellen (Röst-)Ofen Schwefel, Schwefelkies oder Gasmasse abgebrannt („geröstet“) werden, um Schwefeldioxyd zu erzeugen. Dieses Gas wurde dann abgekühlt, gereinigt und über Ventilatoren von unten in die drei rund 30 m hohen, mit Kalksteinen gefüllten Holzbottiche des Laugenturmes eingeleitet. Von oben wurde Wasser über die Steine verrieselt, das sich mit dem Schwefeldioxyd zu schwefliger Säure verband, die beim weiteren herabrieseln Kalk aus den Steinen herauslöste. Durch die Verbindung der schwefligen Säure mit dem gelösten Kalk entstand die Kalziumbisulfitlauge („Kochsäure“), die sich am Boden der Bottiche sammelte und in Vorratsbottiche gepumpt wurde, von wo aus sie dann der Kocherei zur Verfügung stand. Da sich die Kalksteine bei diesem Prozess langsam auflösten, mussten immer wieder neue Steine von oben in die Bottiche nachgefüllt werden. Dazu war der Turm mit einer Aufzugsanlage versehen.

Vergleicht man übrigens den Laugenturm des Alfelder Zellstoffwerkes mit Laugentürmen anderer Zellstoff-Fabriken wird man vielleicht feststellen, dass kaum einer der anderen Türme architektonisch so ansprechend gestaltet war wie „unser“ Laugenturm. Es ist zu bedauern, dass man sich 1980 auch nicht ansatzweise Gedanken über einen Erhalt des Turmes und eine sinnvolle Weiternutzung – auch in touristischer Hinsicht – gemacht hat!

Nahaufnahme des Laugenturmes. In dem eingeschossigen Anbau links am Turm befanden sich die Pumpen für Säure und Frischwasser sowie die Ventilatoren für das Schwefeldioxyd-Gas.

Vom hinteren, kleinen Parkplatz des Hallenbades aus gesehen, ergab sich, wohl um die Mitte der 1970er Jahre, diese Ansicht.

Eine schöne Aufnahme des Laugenturmes aus den 1960er Jahren. Vor dem Turm, auffallend wegen der hellen Giebelwand, die östliche Gebäudehälfte des alten Kies- und Schwefelofengebäudes. Die westliche Hälfte war zu dieser Zeit bereits abgerissen. Vor der Kocherei ist ein Teil der Holzputzerei zu sehen, und davor eine Lagerhalde mit Holzschnitzeln.

Laugenturm mit Röstofengebäude, sowie Wasserturm mit Kocherei im Hintergrund während der Bauarbeiten zur Errichtung des Hallenbades im Jahre 1970. Gerade noch ganz hinten am rechten Bildrand zu sehen: der Maischeturm der Spritfabrik.

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