Das Ende

Der endgültige Abbruch der Werksanlagen

Das Wochenblatt „Alfelder Echo“ kündigte in seiner Ausgabe vom 03. Januar 1979 mit diesem Bild den baldigen Abriss der „Alten Zellulose“ an…
Auf dem Bild ist links neben dem Pförtner- und Wiegehaus die Plattform („Brücke“) der Fuhrwerkswaage gut zu sehen.

Der Abriss der Werksanlagen begann dann einige Monate danach, im späten Frühjahr 1979. Aus den ersten Tagen dieser Zeit stammt das obige Bild. Die der Kocherei (hart am linken Bildrand) vorgelagerten Gebäude (Holzputzerei und Stoffanggruben) sind bereits abgerissen. Der Wasserturm ist umgestürzt. Das Röstofengebäude neben dem Laugenturm ist auch schon “angekratzt”…
Gleich zu Beginn der Abrissarbeiten wurden auch das Kesselhaus und die kleineren Gebäude unterhalb des Südwalles (Fangstoffanlage, Lagerschuppen, Schlosserei und Belegschaftsraum) dem Erdboden gleichgemacht.

Ein Bild, welches zur selben Zeit wie das vorangehende entstanden sein muss – aus einer etwas anderen Perspektive. Der hier in der Mitte der rechten Bildhälfte zu sehende umgestürzte Wasserturm gehörte zu den ersten “Opfern” der Abrissbirne…

Der Werkseingang im Sommer 1979. Das kleine Gebäude im Vordergrund, das Pförtner- und Wiegehaus, beherbergte u. a. die Wiegeeinrichtung der Fuhrwerkswaage. Die Waage funktionierte bis zum Schluss übrigens sehr genau. Um auf die Waage zu gelangen, musste die Zufahrt links des Pförtnerhauses benutzt werden.

Wie der schon recht leere Bereich zwischen Spritfabrik und Kocherei im Hintergrund erkennen lässt, ist der Abriss des Werkes hier schon sehr weit fortgeschritten. Man kann erkennen, dass bereits alle Gebäude zwischen der Spritfabrik und Kocherei in Trümmern liegen; auch die Separation, als letztes der Gebäude unterhalb des Südwalles, dürfte zu diesem Zeitpunkt bereits zerstört sein. Zuletzt blieben auf dem weiten Areal nur die Spritfabrik, die Kocherei und der Laugenturm übrig, die (in dieser Reihenfolge) nach und nach gesprengt wurden.

Die Spritfabrik widerstand dabei zwei Sprengungen! Die erste Sprengung brachte nur die Gärhalle und die Südwand des Maischeturmes, bis in Höhe des Daches der Gärhalle, zum Einsturz. Es war wohl geplant gewesen, dass der Maischeturm in die Gärhalle stürzen sollte. Doch auch nach der zweiten Sprengung stand dieser immer noch. Erst bei Vorbereitung der dritten Sprengung stürzte der Maischeturm dann in das Trümmerfeld der Gärhalle. Der weiter unten wiedergegebene Zeitungsartikel „Jetzt steht nur noch der Laugenturm“ bezieht sich unter anderem auch darauf.

Die Sprengung der Kocherei

   
  Im November 1979 erfolgte die Sprengung der Kocherei. Im Bild oben sieht man, wie zuerst die Betonstützen des ursprünglichen Kochergebäudes von 1921 weggesprengt werden, wodurch dieses zunächst etwas nach unten sackt…  
   
… dann nach vorne kippt…
  … und in einer gewaltigen Staubwolke verschwindet. Der 1937 angebaute Gebäudeteil für den zusätzlichen Kocher bleibt zunächst noch stehen.  
   
Nachdem sich die Staubwolke verzogen hat, erfolgt die Sprengung des Anbaues…
  … der sich ebenfalls in einen Haufen Bauschutt verwandelt.  
   
  Nun obliegt es dem Bagger, die letzten Gebäudereste zu beseitigen.  

So stand es dann 1979 in der Alfelder Zeitung:

Das Ende des Laugenturmes

… wird in dem Artikel der Alfelder Zeitung vom 01. Februar 1980 über seine Sprengung ausführlich beschrieben:

Die Sprengung des Laugenturms im Film

Leichte Schwankungen… …die Richtung stimmt… …Landung im Sandbett.  Das Ende.

Beinahe im Ganzen liegt der Turm nun da. Mit den Aufräumarbeiten wird in Kürze mit Bagger und Eisenbombe begonnen. 

Der Laugenturm nach seiner am 31. Januar 1980 erfolgten Sprengung. Soweit ich mich erinnere, fanden direkt am Tag der Sprengung keine Abbrucharbeiten mehr statt, zumal während des Nachmittags – trotz des schlammigen Bodens – etliche Schaulustige den Weg zum Turm fanden, um sich das Werk der Sprengung aus unmittelbarer Nähe anzusehen.
Deshalb ist dieses Bild vermutlich am Tag danach entstanden, denn hier hat man mit der „Eisenbombe“ schon einen Teil der Turmwandung eingeschlagen, die an dieser Stelle (abgesehen von dem „Knick“ im Turm) nach der Sprengung noch intakt war.

Die Bruchstelle des Turmes links im Bild erlaubt einen Blick in das Innere. Man sieht die Unterseite einer Geschoßdecke mit den tragenden und aussteifenden Deckenbalken, sowie auch eine der drei großen, runden Deckenöffnungen, in denen die Holzbottiche standen.

Das letzte verbliebene Gebäude der “Alten Zellulose”: das Pförtner- und Wiegehaus. Von allen anderen Gebäuden ist hier nichts mehr zu sehen. Im Hintergrund wird möglicherweise gerade der restliche Bauschutt des Laugenturmes abgeräumt. Da dieser am 31.01.1980 als letztes Gebäude des Werkes gesprengt wurde, muss das obige Bild ab Anfang Februar 1980 entstanden sein. Aber bald danach kam auch das Ende für dieses kleine Gebäude. Dann sah es dort so aus…

… wie es dieses Bild zeigt.

Als nächstes konnte die Neutrassierung der angrenzenden Straßen beginnen. Aber das ist eine andere Geschichte hier auf alt-alfeld.de

Schlussbemerkung: die in diesem Beitrag angegebenen Zeit- und Sachangaben beruhen wesentlich auf den Angaben der Schriften „240 Jahre Alfelder Papiergeschichte“ (1947), „Endlose Bahn“ (1956) und „Das Papier-Stammbuch“ (1981); ferner Artikeln aus der „Alfelder Zeitung“, sowie eigenen Informationen, Dokumenten und Beobachtungen beim Abriss des Werkes.
In den drei genannten Schriften gibt es teilweise abweichende Angaben zu denselben Ereignissen. Für den Inhalt des Textes kann daher keine Gewähr übernommen werden. Berichtigende und ergänzende Hinweise sind jederzeit willkommen!

Wo dieser Beitrag Wertungen enthält, stellen diese meine persönliche Meinung dar, und nicht unbedingt auch die Meinung von „Alt-Alfeld.de“.

Horst Haubenschild, Hoyershausen
(früher Alfeld)


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