Der große Stadtbrand

Der große Stadtbrand von 1846 – als Alfeld in Flammen stand

Eine der größten Katastrophen der Alfelder Stadtgeschichte

Der 2. Juni 1846 gehört zu den einschneidendsten Tagen in der Geschichte Alfelds. Innerhalb weniger Stunden vernichtete ein verheerender Stadtbrand große Teile der damaligen Innenstadt. Zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser wurden zerstört, Familien verloren ihr gesamtes Hab und Gut, ganze Straßenzüge lagen in Schutt und Asche.

Der Stadtbrand veränderte Alfeld nachhaltig. Noch heute lassen sich im Stadtbild Spuren des Wiederaufbaus erkennen. Viele Gebäude, Straßen und Platzsituationen verdanken ihre heutige Gestalt unmittelbar den Ereignissen des Jahres 1846.


Als die Stadt ihr Gesicht veränderte – eine Feuersbrunst vernichtet 104 Wohnhäuser

Es ist der 2. Juni 1846. Strahlend hat die Sonne den ganzen Tag vom Himmel geschienen, und jetzt, abends, 8 Uhr, ist es immer noch warm und so schön, dass sich noch viele Alfelder auf den Feldern und in den Gärten draußen vor den Toren aufhalten.

Plötzlich ein Ruf: Feuer! Man sieht eine Qualmwolke aufsteigen, dort, wo der Rollberg (heute Marktstraße) in die Leinstraße mündet. Flammen sind zu sehen. Mit rasender Geschwindigkeit breiten sie sich aus. Das Feuerhorn tutet. Alle, die noch draußen sind eilen nach Hause, wo in der Diele der Ledereimer hängt, den man braucht, um die Eimerkette von der Pferdeschwemme auf dem Markt zur Brandstelle zu bilden.
Zu schnell frisst sich der Feuersturm jedoch weiter, ein Haus nach dem anderen wird sein Opfer. Weithin leuchtet die brennende Stadt in die dunkle Nacht.
Am anderen Morgen liegen 104 Wohnhäuser im Schutt. Viel Vieh ist in den Flammen umgekommen, 700 Alfelder haben ihr Heim verloren und finden Unterkunft in den unversehrten Häusern oder in den benachbarten Dörfern. Geld- und Sachspenden sorgen dafür, dass keiner hungern muss.

Bis zum Herbst 1846 waren 90 Häuser neu auf den alten Kellergewölben errichtet. So beschreibt der Seminarlehrer Wilhelm Heinze in seiner 1894 verfassten „Geschichte der Stadt Alfeld“ dieses schlimme Ereignis. Bis 1847 erfolgte der vollständige Wiederaufbau.

Von der Eimerkette bis zur High-Tech Feuerwehr

Die Häuser der damaligen Zeit waren nicht auf Brandschutz ausgerichtet. Balkengerüste, Gefache, mit Weidengeflecht ausgefüllt, bildeten kein Hindernis für die Flammen, Brandschutzmauern zwischen den einzelnen Häusern gab es nicht. Außer Kontrolle geratene Herdfeuer oder Kerzenlicht reichten manchmal bereits aus, um eine Katastrophe auszulösen. Jeder war angehalten, einen Ledereimer zur Brandbekämpfung in seiner Diele gut sichtbar aufzuhängen. Dazu gab es Einreißhaken, Schaufeln und wenige Handspritzen. 1851 kommen die städtischen Spritzen in das Gerätehaus auf der Winde.


Alfeld vor dem Brand

Vor dem Stadtbrand war Alfeld stark von einer dichten Fachwerkbebauung geprägt. Enge Straßen und dicht aneinander gebaute Häuser bestimmten das Stadtbild. Diese Bauweise war typisch für viele Städte jener Zeit, führte jedoch dazu, dass sich Feuer besonders schnell ausbreiten konnte.

Offene Feuerstellen, Holzbauweise und enge Bebauung machten die Stadt anfällig für Brände. Als das Feuer im Juni 1846 ausbrach, fand es daher ideale Bedingungen vor.

Der Stadtbrand und seine Folgen

Innerhalb kürzester Zeit griff das Feuer auf große Teile der Innenstadt über. Viele Menschen konnten nur das Nötigste retten. Ganze Straßenzüge wurden zerstört, und ein erheblicher Teil der Stadt fiel den Flammen zum Opfer.

Die Katastrophe bedeutete jedoch nicht nur Zerstörung, sondern auch einen Neuanfang. Der Wiederaufbau bot die Möglichkeit, die Stadt grundlegend neu zu gestalten.

Bis 1873 lag der Feuerschutz der Stadt in den Händen der Pflichtfeuerwehr, die größeren Bränden kaum gewachsen war. 1846 waren keine Toten zu beklagen, aber 1873 kam bei einem Brand in der Paulistraße eine dreiköpfige Familie ums Leben. Noch im selben Jahr traten 99 Männer der daraufhin gegründeten Freiwilligen Feuerwehr bei. In den kommenden Jahrzehnten rückten sie zu einer Vielzahl von Unglücken aus, um zu löschen, zu bergen und zu retten.
Auf der Winde zog 1940 das erste Löschfahrzeug ein, 1944 kam das erste Löschgruppenfahrzeug dazu. 1956 wurde das Feuerwehrhaus umgebaut. Ein Erweiterungsbau schloss sich 1961 bis 1963 an. 1984 bezog die Feuerwehr dann das neue Feuerwehrhaus am Standort Rektor-Falke-Straße und kann auf einen umfangreichen Fuhrpark zurückgreifen.

Dienst zum Wohl der Bevölkerung: Löschen, bergen, retten, schützen

Mit der Feuerwehr von heute haben die Ledereimer wenig zu tun. Stand damals die Brandbekämpfung im Vordergrund, sind es heute mehr und mehr die technischen Hilfeleistungen geworden. Durch den vorbeugenden Brandschutz zu dem auch die Brandschutzerziehung in Kindergärten und Grundschulen gehört, sind die schwerwiegenden Feuer zwar weniger geworden, die Ausbildung der Feuerwehrleute hat aber deutlich an Vielfalt zugenommen. Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen, Überschwemmungen, ausgetretenen Chemikalien sind nur einige Aufgaben, die zur Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr gehören.

Der Wiederaufbau verändert die Stadt

Nach dem Brand begann der Wiederaufbau Alfelds. Dabei wurden neue Bauvorschriften eingeführt, die für mehr Sicherheit sorgen sollten. Straßen wurden verbreitert, Gebäude stabiler errichtet und die Stadtstruktur teilweise neu geordnet.

Hatte bis in jene Jahre die Pflasterung der Straßen noch viele schwere Mängel, glich Alfeld noch wenige Jahre zuvor mehr einem dicht besiedelten Dorf als einer Stadt, so hatte doch der große Brand auch auf diesem Gebiet erfreuliche Folgen. Zunächst wurde die Hauptverkehrsstraße, die Leinstraße, mit Basaltpflster belegt, 1852 wurde der Marktplatz, über den die offene Warne floß, gepflastert, desgleichen Pauli- und Kurze Straße. Zugleich entstanden auf diesen Straßen die Bürgersteige, die es bis dahin nicht gegeben hatte.

Diese Veränderungen prägen das Stadtbild bis heute. Viele Bereiche der Innenstadt gehen direkt auf die Planungen nach dem Brand von 1846 zurück.

Auf einen Blick

Datum 2. Juni 1846
Betroffener Bereich Große Teile der damaligen Innenstadt
Folgen Zerstörung von Wohn- und Geschäftshäusern sowie ganzer Straßenzüge
Langzeitwirkung Neue Bauvorschriften, veränderte Stadtstruktur und Weiterentwicklung des Feuerlöschwesens

Ein Ereignis mit langfristiger Wirkung

Der Stadtbrand von 1846 war ein Wendepunkt in der Geschichte Alfelds. Er führte nicht nur zu einem umfassenden Wiederaufbau, sondern beeinflusste auch die Entwicklung des Feuerlöschwesens und des städtischen Bauens nachhaltig.

Aus den Erfahrungen dieser Katastrophe entstanden neue Strukturen, die die Stadt sicherer und moderner machten.

Die Geschichte wird weiter erforscht

Die Aufarbeitung des Stadtbrandes ist ein fortlaufender Prozess. Durch die Digitalisierung historischer Quellen werden immer wieder neue Erkenntnisse gewonnen, die das Bild der Ereignisse weiter schärfen.

Begleitendes Foto- oder Bildmaterial liegt leider nicht vor, da es 1846 noch keine Fotografie gab.

Weiterführende Informationen, auch zum Stand der Quellenforschung, gibt es wenn Sie hier klicken.

Mitmachen erwünscht
Historische Unterlagen, Bilder oder Hinweise zum Stadtbrand und dem Wiederaufbau sind jederzeit willkommen und helfen, die Geschichte Alfelds lebendig zu halten.

Hinweis: Diese Darstellung dient der allgemeinen Information und ist Teil eines fortlaufenden historischen Projekts auf www.alt-alfeld.de.

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