Bismarckstraße

Manchmal sind es nicht die historischen Motive die unsere Seiten auflockern, auch nicht die Geschichte zu den Bildern, sondern gelegentlich eher die Geschichten hinter der Geschichte. So ist es auch heute bei diesem eher unscheinbaren Haus in der Bismarckstraße, dem ehemaligen Haus des Alfelder Schulrektors Falke, der von 1861 bis 1943 in unserem Städtchen lebte und wirkte. Falke war ein angesehener Schulmann, nach dessen Planungen die so genannte Weiße Schule, die heutige Carl-Benscheidt-Realschule, erbaut ist. Weiterhin setze er sich sehr für die Belange der Volks- und Berufsschulen ein.

Das Foto des Hauses entstand um die Jahrhundertwende und wurde von keinem geringeren als dem namhaften Alfelder Fotografen Gustav Böger aufgenommen. Dieses und weitere Fotos wurden uns zur Verfügung gestellt von den Nachfahren Bögers, die in Kanada und Neuseeland leben. Der in Kanada lebende Verwandte schickte die Fotos zu seinem Bruder nach Neuseeland zum Einscannen. Dieser wiederum schickte die fertigen Bilder auf CD gebrannt zurück nach Kanada. Von Kanada aus ging diese CD auf die Reise nach Deutschland… Nun raten Sie mal wohin genau – nach Alfeld.
Vielen Dank an dieser Stelle nach Kanada & Neuseeland.

Um die Jahrhundertwende weitete sich unsere Stadt immer weiter aus. Neben der zunehmenden Industrialisierung die immer mehr Raum einnahm, stand die Erweiterung von Bebauungsgebieten und damit Schaffung neuen Wohnraums an erster Stelle.
Somit war es nicht verwunderlich, dass um 1900 der erste Bebauungsplan in Alfeld, der das Gebiet vom Marktplatz in östlicher Richtung behandelte, aufgestellt wurde. An der Kalandstraße und Bismarckstraße entstanden repräsentative Großbauten wie das Realprogymnasium von 1899, die Marienkirche von 1902/1903, aber auch die „Weiße Schule“ die heutige Realschule, die in den Jahren 1913/14 erbaut wurden.

Das obige Bild, dass aus der Leserschaft der Alfelder Zeitung stammt, muss ebenfalls in die Zeit von 1903 bis 1912 datiert werden. Es zeigt die rückwärtige Ansicht des Hauses Bismarckstraße Nr. 32, aufgenommen aus den vermutlich im Entstehen befindlichen städtischen Anlagen, die ab 1909 entstanden. Dieses Haus war mit eines der ersten Bauten die an der Bismarckstraße entstanden, noch bevor der eingangs erwähnt Bebauungsplan aufgestellt wurde. Erbaut wurde dieses massive Backstein-Bürgerhaus 1898.
Die zunehmende, mittlerweile geschlossene Bebauung der Bismarckstraße lässt heute ein genaues Vergleichsbild leider nicht zu, aber dennoch lässt sich der Standort des Hauses gut erkennen.

Um 1910

1910er Jahre

1912

1912 – Hausnummer 32

Gasthaus „Zur Weißen Erde“

Viele kennen das Gasthaus „Zur Weißen Erde“ heute nicht mehr. Dabei haben sich über die letzten Jahrzehnte sehr viele Details erhalten, die an das Ecke Bismarck- / Kalandstraße gelegene ehemalige Gasthaus erinnern. So haben sich die alten Buntglasfenster mit ihren farbenprächtigen Motiven bis heute erhalten. Diese zeigen u. a. einen Holztrog zum Bierbrauen, Hopfenpflanzen, Vogel und Schmetterling.  Unsere heutige Aufnahme zeigt das Gebäude im Jahr 1917. Die Straße ist noch nicht befestigt, gegenüber befindet sich das ab1899 errichtete Gebäude des Alfelder Amtsgerichts.

Heute, über 100 Jahre später, hat sich bis auf wenige bauliche Ausnahmen das ehemalige Gasthaus kaum verändert. Der Gaststättenbetrieb wurde vor vielen Jahren eingestellt. Heute wollen wir diese Bilder wieder mit einer Bitte an unsere Leser verbinden, wann denn der Betrieb der „Weißen Erde“ eingestellt wurde. Wenn jemand noch etwas darüber erzählen kann, oder gar weitere Aufnahmen hat, möge er sich bitte bei uns melden.

1920er Jahre

1927

Spektakulärer Unfall 1938 auf der Kreuzung

1950er Jahre

1950

1960er Jahre

Schöner Winterblick aus der Realschule, im Hintergrund das neue erbaute Kreis- und Stadtkrankenhaus und Schwesternwohnheim

1969

1970

1980er Jahre

Gasthaus „Zur Weißen Erde“ 1917

90Jahre später

Gestern & Heute

1950er Jahre

2008

2001

Letzte Bearbeitung: 21.08.2019