Bahnübergang Föhrster Straße

Der alte Bahnübergang

Eines der schönsten und seltensten Bilder die wir haben. Die alte Fußgängerbrücke am Bahnübergang im Jahre 1956. Die folgenden beiden Bilder wurden von der Brücke aus gemacht.

29.08.1956

Der alte Bahnübergang an der Föhrster Straße, aufgenommen ungefähr auf der Höhe vom Hotel Gödecke von der alten Fußgängerbrücke im Jahre 1959. Bei der heranrasenden Lok handelt es sich um eine 44iger, also Baureihe BR44.

Der alte Bahnübergang an der Föhrster Strasse, ungefähr auf der Höhe vom heutigen Modehaus Ströh. Zum Vergrößern auf das jeweilige Foto klicken.
Hier noch einmal von der gegenüberliegende Seite.
Dieses Bild zeigt die letzte Überfahrt über den alten Bahnübergang. Danach ging der neu erbaute Schlehbergring in Betrieb. Siehe auch hier: Schlehbergring
Aus der Vogelperspektive.
Fritz Winzmann regelte den Verkehr am ehemaligen Alfelder Bahnübergang.

Bis zur Inbetriebnahme des Schlehbergringes rollte der Verkehr über den alten Bahnübergang an der Föhrster Straße, Ecke Hannoversche Straße. Der Verkehr über die Eisenbahn wurde über eine Schrankenanlage, damals noch von Hand von einem Schrankenwärter geregelt.
Dieser Bahnübergang war ein Nadelöhr für den an- und abfließenden Verkehr aus der Innenstadt. Die zunehmende Motorisierung der 1950er Jahre sorgte immer wieder nicht nur für Verstopfungen an dieser Stelle, sondern auch immer wieder für einige Unfälle.
Am 24.Februar 1956 um 13.15 Uhr kam es dann zu einem der folgenschwersten Unglücke an diesem Bahnübergang bis dahin, bei der ein 19-Jähriges Mädchen zu Tode kam und weitere 4 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden, weil die Schranke nicht geschlossen waren. Ein heranrasender D-Zug erfasste das Mädchen und Ihre beiden Kolleginnen sowie einen Lastwagen der Central-Molkerei Hildesheim.
Nun war es genug der Unfälle. Einige Zeit verging, dann wurde mit dem Bau des heutigen Schlehbergringes begonnen.

D 85 zertrümmerte Lkw

Schranken waren nicht geschlossen / Schweres Unglück In Alfeld

Ein furchtbares Unglück hat gestern an dem beschrankten Bahnübergang bei Alfeld (Leine) einen Toten und vier Schwerverletzte gefordert. Ein Lastwagen aus Hildesheim wurde vom D 85 Basel? Hamburg erfasst und achtzig Meter weit mitgeschleift und zertrümmert. Der Schrankenwärter hatte vergessen, die Bahnschranke zu schließen.

Die beiden Insassen des Lkw. der Fahrer Karl Harschfeld und der Italiener Deleranzo, wurden schwer verletzt. Drei junge Mädchen, die hinter dem Lastzug den Übergang passierten, wurden bei dem Zusammenprall mitgerissen. Die 19jährige Helene Böhm aus Alfeld war auf der Stelle tot. Ihre Freundinnen Ingrid Mathies und Sigrid Zausig mussten schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht werden.

Nach einer Mitteilung der Bundesbahndirektion Hannover war der 28jährige Schrankenwärter erst seit sieben Monaten in Alfeld tätig. Er hatte etwa 200mal täglich die Schranken herunterzulassen und musste nebenbei noch Signale mitbedienen. Der von der Bundesbahn als „Brennpunkt“ der Strecke Basel – Hamburg bezeichnete Übergang wird täglich von etwa tausend Kraftfahrzeugen und mehreren Tausend Fußgängern überquert. Nach dem Unglück wurde der Schrankenwärter, der völlig zusammengebrochen ist, von der Polizei festgenommen. Er soll einen Selbstmordversuch unternommen haben.

Die Bundesbahn hat den Posten, der in den letzten Jahren mehrfach wegen Versagens der Beamten gewechselt werden musste, inzwischen neu besetzt. Schon einige Male hatten die Beamten vergessen, die Schranken herunterzulassen. Das erste Unglück ereignete sich kurz nach dem Kriege, als ein Pferdefuhrwerk an dem Übergang von einem Zug erfasst wurde. Im vergangenen Jahr konnten 25 Kinder eines Kindergartens im letzten Augenblick vor einem Eilzug zurückgerissen werden.

Quelle: Hamburger Abendblatt, Nr. 48 vom 25.02.1956, Seite 14

BILD vom 05.03.1956

Alfelder Zeitung vom 05.03.1956

„Todesfalle“ blieb geöffnet

Schrankenwärter las das Urteil über einen fahrlässigen Kollegen

Alfeld (Hannover), 9. Juni 1956

Das schwere Eisenbahnunglück an dem als „Todesfalle“ bekannten Bahnübergang in Alfeld an der Bundesstraße 3 hat vor dem Schöffengericht in Alfeld eine überraschende Aufklärung gefunden. Der wegen fahrlässiger Tötung, Transportgefährdung und Körperverletzung angeklagte 28jährige Schrankenwärter Alfred Krebs gestand, dass er, anstatt die Schranke des Übergangs zu schließen, gelesen und dadurch die Annäherung des Zuges übersehen habe.

Die Lektüre, in die Krebs so vertieft war, dass er die ihm von der Strecke zugehenden Warnsignale übersah und überhörte, bestand aus einem zweiseitigen Urteil eines westdeutschen Gerichts, in dem ein Schrankenwärterkollege wegen fahrlässiger Bedienung der Schranken zu einer hohen Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Die Bundesbahn hatte das Urteil vervielfältigt und es allen Schrankenwärtern zustellen lassen, um sie auf die ihnen drohenden Strafen aufmerksam zu machen.

„Ich wollte alles genau wissen, um es besser zu machen wie mein verurteilter Kollege“, sagte Krebs. Aber mit diesem Entschluss begann das Unheil. Krebs wurde aus seinem Studium erst durch das Pfeifen der D-Zug-Lok gerissen, die sich in voller Fahrt auf hundert Meter dem Bahnübergang genähert hatte.

Rund 20 Menschen und vier Kraftfahrzeuge befanden sich auf dem Bahnübergang, als Lokführer Georg Grunewald vom D 85 das Unheil sah und die Schnellbremse betätigte. Mit 65 km/st prallte er gegen einen Lastzug und raste in eine Gruppe von Verkäuferinnen eines Warenhauses, die sich zum Mittagessen begeben wollten. Eine von ihnen wurde getötet.

„Der Angeklagte ist schon mehrere Jahre als Schrankenwärter bei der Bundesbahn tätig und wurde tags zuvor auf dem Stellwerk Alfeld-Süd einer Prüfung unterzogen. Er war als tüchtig und zuverlässig bekannt und allen Anforderungen gewachsen“, sagte Bundesbahninspektor Zies. Nach dem Unglück fand er den Angeklagten völlig gebrochen auf der Treppe des Stellwerks sitzend auf. Er konnte nur stammeln: „Die Schranken, wie konnte mir so etwas passieren.“

Weil er Reue zeigte, unvorbestraft ist und das Gericht ein „einmaliges menschliches Versehen“ annahm, wurde er zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe wird auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Quelle: Hamburger Abendblatt, Nr. 133 vom 09.06.1956, Seite 16