Der Mai ist gekommen…

Der Mai ist gekommen…
Maibaumaufstellung auf dem Marktplatz in den 1950er Jahren

Neben der Möglichkeit sich seit Jahrhunderten auf dem Marktplatz mit Waren aller Art  zu versorgen bildet daneben „Alfelds Gute Stube“ auch den Mittelpunkt vieler Feste und Veranstaltungen.
Sind es heute eher Frühlingsmärkte und Stadtfeste, so sind in der langen Geschichte des Alfelder Marktplatzes aber auch Feste zu nennen, die in der heutigen schnelllebigen
Zeit vielfach unbemerkt von der Öffentlichkeit stattfinden.
Eines dieser besonderen Feste oder Rituale ist das Aufstellen eines Maibaumes zum 1. Mai eines jeden Jahres.
Wir wollen die Ursprünge des Maibaumaufstellens bzw. Maibaumbrauchtums, die bis heute noch relativ ungeklärt und auch vielfach umstritten ist nicht näher beleuchten. Häufig werden aber in diesem Zusammenhang germanische Riten genannt.
In Alfeld wurden immer mal wieder Maibäume auf dem Marktplatz und auch anderswo im Städtchen oder in den Ortsteilen aufgestellt.

Damals war die Beteiligung der Bevölkerung beträchtlich und kam einem kleinen Volksfest gleich.

Unter klingendem Spiel des Spielmannszuges der Freiwilligen Feuerwehr (Gerzen?) wurde der bereits geschmückte Maibaum von kräftigen Männern, vermutlich auch Gewerkschaftler, herangeschafft und aufgestellt. Hans Röttger (versteckt hinter dem Maibaum), ein bekannter Alfelder, hat diesen Maibaum mit Tannengrün geschmückt und wohl auch die Girlande gebunden. Tannengrün wahrscheinlich deshalb, da zu diesem Zeitpunkt frisches Birkengrün noch nicht verfügbar war. Die Natur war noch nicht soweit

Es singt voller Inbrunst die Alfelder Sängergilde unter der Leitung von Musikmeister Friedrich Möller und umrahmt diese zu dieser Zeit noch recht würdevolle Maifeier. Im Hintergrund das Bürogebäude der Alfelder Baustoffhandlung „Meyer am Markt“

Umringt von zahlreichen Kindern spricht der damalige Stadtdirektor Dr. Arthur Siegmund und schaut zu, wie der herangeschaffte Maibaum von kräftigen Männer aufgestellt wird. Siegmund war Stadtdirektor von 1950 bis 1968. Vielleicht erkennt sich der eine oder andere auf dem Foto wieder?

Die Sänger v.l.n.r.: Walter Koebsch, Wilhelm Kordes (verdeckt), Wilhelm Krösche, Gustav Vesterling, Friedrich Windrich, unbekannt, Friedrich Bartels, Oskar Ihde, Friedrich Möller, Paul Fuchs, Wilhelm Markgräfe (verdeckt), Josef Paulmann, unbekannt, Wilhelm Glüsen, unbekannt, Werner (?) Knorr, unbekannt, Willi Bürig, Dieter Herholt, Friedrich Wiechmann, Fritz Kelpe, unbekannt

Seit einigen Jahren findet diese Tradition wieder regelmäßig im Rahmen der Maikundgebungen auf dem Alfelder Marktplatz statt.

Exemplarisch für die Vielzahl der Veranstaltungen zum 1. Mai in Alfeld ist unter anderem die Kampagne „Kampf dem Atomtod“.
Diese Kampagne war eine außerparlamentarische Widerstandsbewegung in Westdeutschland, die sich gegen die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen und deren Stationierung auf deutschem Boden richtete. Sie entstand seit April 1957 und war bis August 1958, in einzelnen Gruppen auch bis Januar 1959 (Studentenkongress gegen Atomrüstung) aktiv. 1958 kam es auf Initiative von SPD, DGB und kirchlichen Gruppen zur Gründung des Ausschusses Kampf dem Atomtod. Dieser organisierte eine Reihe von Massendemonstrationen gegen die atomare Bewaffnung.
Ab 1960 entwickelten sich hieraus die jährlichen Ostermärsche in Westdeutschland.

Auch in Alfeld wurde unter Federführung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) der Maibaum unter dem Motto:
„Das Leben retten, den Frieden sichern, Kampf dem Atomtod“ aufgestellt.