Hasselbergs

Mutterwitz, Einsatz für die Gemeinschaft und fachliches Können schimmern durch die zahlreichen Anekdoten, die sich um die Brüder August und Willy Hasselberg rankten.

Sie standen einem traditionsreichen Geschäft vor, das noch lange den Namen ihres Urgroßvaters führte. Karl A. Hasselberg begann am 15. August 1822 in einem Haus am Übergang vom Marktplatz zur Perkstraße die Seilerei zu betreiben. Zur selben Zeit gingen noch sechs weitere Meister dieser Tätigkeit in Alfeld nach. In dem genannten Haus wohnten bereits seit dem 17. Jahrhundert Angehörige dieses Berufszweiges. In einer alten Hausbibel wird beispielsweise für 1713 ein Seilermeister Lehmann erwähnt. Im späteren 18. Jahrhundert folgten dann die Brüder Heinrich und Friedrich Tappert. Als diese verstorben waren, heiratete der zugewanderte Ostpreuße Karl Gottlieb August Hasselberg Engel Marie Tappert, geb. Fischer, also die Witwe des einen. Hasselberg übernahm das Geschäft und wurde der Stammvater der Alfelder Seilerfamilie Hasselberg.

Er selbst war 1798 in dem Landstädtchen Schippenbeil bei Königsberg als Sohn des Landwirts K. G. Hasselberg geboren, erlernte das Seilerhandwerk und begab sich auf die Wanderschaft.
Er nahm 1820 in Göttingen Arbeit an und hielt von da kommend im Januar 1822 seinen Einzug in Alfeld. Dem Meister Tappert am Markt bot er den Gruß „Grüß Gott wegen des Handwerks“ und empfing die Erwiderung „Schönen Dank Gesellschaft von wegen des Handwerks“. Er bekam aber nicht den üblichen Meistermariengroschen, sondern alsbald Arbeit. Nach kurzer Zeit starb Tappert, worauf Hasselberg die Witwe heiratete und in Alfeld Meister wurde. „Karl-Vetter-Hasselberg“, wie ihn seine Freunde meist nannten, war ein großer Mann mit ungewöhnlich starken Leibeskräften. So schlug er im damaligen „Neuen Krug“, wo vor der Anlage der Eisenbahn gern die Fuhrherren verkehrten, beim Spiel nach vorausgegangener Wette von dem festen Eichentisch mit einem Faustschlag eine Ecke glatt ab.
Er starb nach einem arbeitsreichen und erfolgreichen Leben im Mai 1875 im Alter von 77 Jahren und hinterließ das blühende Geschäft seinem Sohn Karl Georg, der am 30. Juli 1824 geboren war.
Karl Georg war ein treuer Bürger seiner Vaterstadt, für deren Wohl er auch als Gemeindevertreter redlich sorgte. Er brachte das Seilerhandwerk in Alfeld durch besondere Geschicklichkeit und stetem Fleiß zu hoher Blüte, sorgte für Kind und Kindeskinder und verhalf seiner Familie zu Ansehen und Wohlstand. Daneben war Karl Hasselberg ein guter Erzähler alter Alfelder Geschichten und Sagen.

Seinen Kindern gegenüber wiederholte er oft die alten, wahren Worte: „Bezahlen ist ein Heiligtum!“, und den anderen Spruch: „Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis“.
Als „Stadtvater“ war er 24 Jahre lang Bürgervorsteher und längere Zeit Wortführer in deren Kollegien. 1884 übergab er seinem jüngsten Sohn August die Seilerei, der das Handwerk bis zu seinem Tode 1908 weiterführte. Einige Jahre nach der Geschäftsübernahme verließ August Hasselberg, der von der Holzer Bäuerschaft zum Bürgervorsteher gewählt worden war, das Stammhaus am Markt und kaufte das an der Holzer Straße gelegene früherer Reiche’sche Geschäfts- und Wohnhaus.

Die nächste Generation, nämlich August und Willy Hasselberg, führten das Geschäft noch lange fort. Später wechselte es den Eigentümer, der Name Hasselberg trat in den Hintergrund. 2018 wurde die Firma nach Pattensen bei Hannover verkauft. Der Name und das Gewerbe derer von Hasselberg verschwand aus Alfeld. Mit ihm verschwindet wieder ein Stück alte Alfelder Zeitgeschichte. Aber nicht nur die Firma, auch die Hasselbergs – die zu den Alfelder Originalen zählten – werden wir noch lange in Erinnerung behalten.

August Hasselberg – zweiter von links  Willi Hasselberg – ganz rechts

Die Hasselbergs waren nicht nur tüchtige Geschäftsleute, sie waren auch immer für einen Scherz zu haben.
Zu den Hasselberg-Streichen: Teil I & Teil II