Wettensen

Die Geschichte Wettensens in Kurzform

Die Lehnsoberhoheit über Wettensen besaß die Äbtissin von Gandersheim. Im Jahre 1334 ist die Belehnung der v. Steinberg mit Wettensen erfolgt, die bis ins 19te Jahrhundert Grundbesitzer bleiben. Neben Gandersheim hat aber auch der Bischof von Hildesheim Lehnsrechte. Nach Wettensen nennt sich ein mehrfach erwähntes Geschlecht, so 1357 Hermannus Wetensen, „consul“ (Ratsherr) in Alfeld. 1469 sind Ludeke v. Wettensen und 1503 Lippold v. Wetensen Bürger meister in Alfeld.
Wettensen liegt auf einer Anhöhe etwa 20 m über der Leine. Das Oberdorf ist deswegen sicher vor Überschwemmungen, das Unterdorf erst seit dem Bau des Rückhaltebeckens bei Salzderhelden. Neben der Landwirtschaft gab es kaum ein anderes Gewerbe. Bis nach dem 2ten Weltkrieg gab es einen Bäcker und den Gastwirt. Außerdem wurde bis ins l9te Jh. Korbflechterei und Kiepenmacherei betrieben. Die Weiden an der Leine haben das Material geliefert.
Das Dorf Wettensen war stets eins der kleinsten und hatte nur 5 Höfe. Die Feldmark ist rund 450 Morgen groß. Die Flurnamen sind: Tütenberg, Auf dem Dale, Hopfenberg, Langeworth (freier Raum), Auf den Ackers, In der Riege, Dehne, Hungerkamp, Ostenberg, In der Tüte (ist eine Schlucht), Krimpwiese (Krimp häufiger in Flussnamen), Laukenpaul (= Sumpf). Die Forst liegt in den Sieben Bergen. Im Ort gibt es noch die Bezeichnungen „Am Anger“, der im ‚.Unterdorf“ liegt, „Am Brinke“, „Im Graben“, am „Wettenser Berg‘.
Die Kirche war immer dem St. Urban gewidmet, ursprünglich ein Fachwerkbau, der kirchlich zu Eimsen gehörte. 1903 wurde sie so baufällig, dass die Hofbesitzer beschlossen, sie abzureißen. Sie erbauten auf eigene Kosten eine neue Kapelle. Über dem Eingang steht die Jahreszahl 1904, darunter stehen die Namen der Erbauer: 3mal Bode, Dickmann und Funke. Zur Einweihung der Kapelle schenkt Kaiserin Auguste Viktoria 1904 eine Altarbibel mit eigenhändiger Widmung.
Erwähnt werden müssen aus der Umgebung 3 Einrichtungen/Örtlichkeiten:

1. Der jüdische Friedhof am nördlichen Ortsende, auf dem noch einige Grabsteine stehen, der letzte wohl von 1863.
2. Der so genannte Annostein an der Kurve hinter Wettensen. Er heißt so, weil er „Anno 1813“ errichtet wurde. An seiner nördlichen Seite steht: „Kreis Gronau“, was anzeigt, dass dort die Grenze zum 1938 im Kreis Alfeld aufgegangenen Kreis Gronau lag.
3. Die Kläranlage für Alfeld wurde 1979 gebaut.

Im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform wird Wettensen 1974 ein Ortsteil der Stadt Alfeld (Leine).

Einwohnerzahlen:

1809: 125
1919: 140
1925: 162
1938: 152
1951: 237
1995: 109
2005: 96

nach: Paul Graff, Geschichte des Kreises Alfeld, August Lax (1978)

Dieser Text stammt aus der Broschüre „Ortschronik Wettensen“, herausgegeben von der BAL-Ratsfraktion Alfeld. Vielen Dank.
Mit freundlicher Genehmigung der BAL-Ratsfraktion Alfeld.

Das Ortswappen von Wettensen

In Gold ein schwarzer Rehbockkopf mit kräftigem Sechsergehörn.

Da die Geschichte der Gemeinde Wettensen keinerlei Anhaltspunkte für die Gestaltung eines Wappens bot, erkor der Bürgermeister nach Anhörung der Gemeinderäte das oben beschriebene. Es äußert sich hier der Naturfreund und Jäger, der mit Recht in dem Reh wegen seiner edlen Gestalt den Schmuck unserer Gemarkungen sieht.

Unrecht, Unrecht

In Wettensen war einmal einer, der heimlich Unrecht getan hatte. Das quälte ihn so, daß er einen Strick nahm und sich im Walde an einer Eiche erhängte. Als ihn jemand fand und den Strick abschnitt, flog ein kleiner schwarzer Vogel davon und rief immer: „Unrecht, Unrecht, Unrecht… !“ Er fliegt und ruft noch oft durch den Wald. Wer zur mitternächtlichen Geisterstunde auf dem Herrendienstweg über den Berg kommt, muß sich darauf gefaßt machen, daß er ihn im Walde vernimmt.

Da iste auch einmal einer von Wettensen durch den Wald gekommen, und als er nahe über Eimsen war, schrie er auf einmal: Unrecht, Unrecht… !“ Kalt lief es ihm über den Rücken hinunter, und die Haare standen ihm zu Berge. In dem Augenblick saß der kleine schwarze Vogel auf seiner Schulter. Immer größer wurde er und schwerer und schwerer, bis der Wanderer unter der Last zusammenbrach.

Die Sage wurde dem Buch „HOIKE“ aus der Schriftenreihe des Heimatmuseums Alfeld – Nr.7 – entnommen. Gesammelt und im September 1960 herausgegeben von Wilhelm Barner.