Stadtheimatpflege · Archivarbeit · Stadtgeschichte
Sechs Jahre Stadtheimatpflege in Alfeld: Bewahren, dokumentieren, vermitteln
Rund zehn Terabyte digitale Archivbestände, etwa 400 vollständig digitalisierte Werke, unzählige historische Recherchen und zahlreiche Projekte zur Vermittlung von Stadtgeschichte:
die vergangenen sechs Jahre haben die Stadtheimatpflege in Alfeld nachhaltig geprägt. Gleichzeitig feiert www.alt-alfeld.de im Jahr 2026 sein 20-jähriges Bestehen.
Zwischen Pandemie, Digitalisierung und gelebter Stadtgeschichte
Mit dem Ende der aktuellen Wahlperiode des Rates der Stadt Alfeld (Leine) endet zugleich die erste Amtszeit des Stadtheimatpflegers.
Sechs Jahre liegen hinter dieser Aufgabe – sechs Jahre, die von außergewöhnlichen Rahmenbedingungen, aber auch von zahlreichen Projekten, wichtigen Entscheidungen und nachhaltigen Entwicklungen geprägt waren.
Als die Bestellung zum Stadtheimatpfleger im Jahr 2020 erfolgte, konnte niemand ahnen, dass die folgenden Jahre zunächst von einer weltweiten Pandemie bestimmt werden würden. Viele Projekte mussten verschoben werden, persönliche Kontakte waren nur eingeschränkt möglich und zahlreiche Vorhaben konnten zunächst lediglich vorbereitet werden.
Dennoch wurde in diesen sechs Jahren eine Grundlage geschaffen, die die historische Arbeit in Alfeld langfristig prägen wird.
Die Vergangenheit digital sichern
Der wohl größte Arbeitsschwerpunkt lag im Bereich der Digitalisierung und des Archivwesens.
Historische Bücher, Schriften, Fotografien, Zeitungen, Karten, Urkunden und Dokumente wurden systematisch gesichtet, digitalisiert und archiviert. Mittlerweile umfasst der Bestand rund 400 vollständig digitalisierte Werke. Hinzu kommen tausende Fotografien und Dokumente unterschiedlichster Herkunft.
Besonders hervorzuheben ist der Aufbau eines umfangreichen digitalen Zeitungsarchivs. Nahezu sämtliche relevanten regionalen Tageszeitungen liegen inzwischen als digitales Archiv seit dem Jahr 2011 vor.
Ergänzt wird dieser Bestand durch das vollständige Archiv des Stadtmagazins „SIEBEN“.
Zusammen bilden diese Sammlungen einen einzigartigen Fundus zur jüngeren Stadt- und Regionalgeschichte.
Der digitale Gesamtbestand umfasst inzwischen rund zehn Terabyte Bild-, Text- und Dokumentationsmaterial. Dahinter verbergen sich unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit, Recherche, Digitalisierung und Archivierung.
Ein digitales Gedächtnis für Alfeld
Ziel ist die Schaffung eines digitalen Gedächtnisses der Stadt Alfeld.
Historische Informationen sollen dauerhaft gesichert, auffindbar und zukünftigen Generationen zugänglich gemacht werden.
Dabei geht es nicht nur um bekannte Ereignisse und große Namen der Stadtgeschichte. Oft sind es gerade die kleinen Geschichten, Fotos aus Familienalben, private Dokumente oder Erinnerungen von Zeitzeugen, die ein vollständiges Bild der Vergangenheit entstehen lassen.
Jedes gerettete Foto und jedes digitalisierte Dokument trägt dazu bei, ein Stück Stadtgeschichte zu bewahren.
Die Chronik der Stadt wächst weiter
Ein langfristiges Projekt ist die Fortschreibung der städtischen Chronik. Ziel bleibt die möglichst vollständige Dokumentation der Geschichte Alfelds von etwa 500 vor Christus bis in die Gegenwart.
Die Chronik versteht sich dabei nicht als abgeschlossenes Werk, sondern als fortlaufender Prozess. Geschichte endet schließlich nicht – sie wird jeden Tag weitergeschrieben.
Forschung, Anfragen und historische Spurensuche
Regelmäßig erreichen den Stadtheimatpfleger Anfragen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Bürgerinnen und Bürger suchen Informationen zu ihren Familien, Wissenschaftler benötigen historische Quellen, Medien recherchieren Hintergründe und Vereine benötigen Unterstützung bei Jubiläen oder Veröffentlichungen.
Ein besonderer Schwerpunkt ist seit Jahren die Erforschung der Geschichte des Tierhandels Ruhe. Aus dieser Arbeit sind inzwischen Kontakte zu zoologischen Einrichtungen im In- und Ausland entstanden.
Anfragen erreichen Alfeld mittlerweile aus ganz unterschiedlichen Teilen der Welt.
Die Sammlung Püscher
Ein Meilenstein der vergangenen Jahre war die nahezu abgeschlossene Digitalisierung der bedeutenden Sammlung Püscher. Die Sammlung stellt einen einzigartigen Bestand zur Stadtgeschichte dar und wird künftig eine wichtige Grundlage für Forschung und historische Vermittlung bilden.
Eine öffentliche Präsentation der Bestände muss allerdings weiterhin auf rechtliche Klärungen warten. Insbesondere Fragen des Persönlichkeits- und Urheberrechts stellen Archive und Sammlungen bundesweit vor große Herausforderungen.
Geschichte muss erlebbar sein
Heimatpflege endet nicht im Archiv. Mindestens ebenso wichtig ist die Vermittlung von Geschichte an die Öffentlichkeit.
Zahlreiche Stadtführungen, Vorträge, Schulveranstaltungen und Veröffentlichungen haben in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, historische Themen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Historischer Stadtrundgang
Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Stadtrundgang im FAA e. V. wurden bestehende Stationen erweitert und neue Informationsangebote geschaffen. Zusätzliche Erläuterungsschilder, QR-Codes und digitale Inhalte verbinden heute historische Informationen mit modernen Vermittlungsformen.
Auch die sogenannten „Grünen Schilder“ in Alfeld und den Ortsteilen wurden weiterentwickelt und ausgebaut.
Fillerturm: Aus Geschichte wird Erlebnis
Der Fillerturm zählt zu den markantesten historischen Bauwerken Alfelds. Neue Ausstellungselemente, die Einrichtung des Verlieses, die Glasbodenplatte, die Erneuerung der Elektrik sowie weitere bauliche Maßnahmen haben den historischen Wehrturm deutlich aufgewertet.
Mit der neuen Ausstellung zur Geschichte des Fillerturms entsteht ein weiterer Baustein zur Vermittlung der Stadtgeschichte.
Zahlreiche Projekte im Hintergrund
Neben den großen Vorhaben wurden zahlreiche weitere Projekte begleitet oder unterstützt.
– Bunkerprojekt Kalandstraße
– NHB-Projekt „Allee des Monats“
– Projekt „Bombs Away“
– Forschungen zur Zeit des Nationalsozialismus
– Arbeiten zum Judentum in Alfeld
– Projekte zu Flucht und Vertreibung
– Erforschung der Feuerwehrgeschichte
– Fortschreibung der Feuerwehrchronik
– Stolperstein-Projekt des Gymnasiums Alfeld
– Sicherung historischer Grabdenkmäler
Viele dieser Vorhaben werden über längere Zeiträume bearbeitet. Ergebnisse entstehen dabei nicht immer kurzfristig, sondern häufig erst nach umfangreicher Sichtung, Recherche und quellenkritischer Prüfung.
Gemeinsam Geschichte bewahren
Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, dass Heimatpflege keine Aufgabe Einzelner sein kann. Sie lebt vom Engagement vieler Menschen.
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger haben historische Fotografien, Dokumente, Erinnerungen und Informationen zur Verfügung gestellt. Vereine, Institutionen, Sponsoren und Ehrenamtliche haben Projekte unterstützt und begleitet – und umgekehrt.
Erst durch dieses Zusammenwirken können private Überlieferungen, historische Sammlungen und persönliche Erinnerungen gesichert und für die Stadtgeschichte nutzbar gemacht werden.
Die Herausforderungen der Zukunft
Trotz aller Fortschritte bleiben zahlreiche Aufgaben bestehen. Die Digitalisierung historischer Quellen wird weitergehen. Das digitale Archiv muss ausgebaut und die städtische Chronik fortgeführt werden.
Eine der größten Herausforderungen bleibt jedoch die Unterbringung historischer Bestände. Die vorhandenen Kapazitäten stoßen zunehmend an ihre Grenzen. Die Frage nach geeigneten Archivräumen wird daher künftig noch stärker in den Fokus rücken.
Ebenso wichtig sind die dauerhafte technische Sicherung der digitalen Bestände, eine nachvollziehbare Erschließung der Materialien und die Klärung rechtlicher Fragen vor einer öffentlichen Präsentation.
20 Jahre www.alt-alfeld.de – mehr als nur eine Internetseite
Das Jahr 2026 markiert nicht nur das Ende einer Amtszeit. Es markiert zugleich ein besonderes Jubiläum: Vor 20 Jahren ging www.alt-alfeld.de erstmals online.
Was damals als kleines privates Internetprojekt begann, entwickelte sich im Laufe von zwei Jahrzehnten zu einem der größten digitalen Stadtarchive der Region. Tausende historische Fotografien, Dokumente, Zeitungsberichte, Erinnerungen und Forschungsergebnisse wurden gesammelt, ausgewertet und veröffentlicht.
Viele Projekte der vergangenen Jahre wären ohne www.alt-alfeld.de in dieser Form nicht möglich gewesen. Zahlreiche historische Entdeckungen, Recherchen und Veröffentlichungen nahmen hier ihren Anfang.
Die Internetseite hat sich längst zu einem wichtigen Bestandteil der historischen Infrastruktur Alfelds entwickelt. Sie verbindet Archivarbeit mit moderner Vermittlung und macht Geschichte unabhängig von Öffnungszeiten und Aufenthaltsort zugänglich.
Vor allem aber zeigt sie, was ehrenamtliches Engagement bewirken kann.
Geschichte bewahren, Wissen sichern und Erinnerungen lebendig halten
– das ist die gemeinsame Aufgabe von Stadtheimatpflege und www.alt-alfeld.de.
Ein Blick nach vorn
Die vergangenen sechs Jahre haben gezeigt, wie wichtig die Bewahrung der lokalen Geschichte ist. Gerade in einer Zeit, in der Informationen immer schneller verfügbar, aber oftmals auch schneller vergessen werden, gewinnen Archive, Dokumentationen und historische Forschung zunehmend an Bedeutung.
Die Geschichte Alfelds lebt in ihren Gebäuden, ihren Straßen, ihren Archiven und vor allem in den Erinnerungen ihrer Menschen.
Diese Erinnerungen zu bewahren, Wissen zu sichern und Geschichte sichtbar zu machen, bleibt auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe.
Wer seine Vergangenheit kennt, versteht seine Gegenwart – und kann seine Zukunft gestalten.

