Künkel & Wagner

Alfelder Maschinen-Aggregate in aller Welt


Im hessischen Kreise Biedenkopf, eingebettet in eine waldig-bergige Landschaft, liegt anmutig das Dorf Wiesenbach. Dort steht das Geburtshaus des Gründers der Firma Künkel, Wagner & Co. Sein Vater war Landwirt. Die Liebe zur Scholle und zur Landwirtschaft übertrug sich auch auf seinen Sohn Heinrich. Doch der Blick für die durch die Technik gegebenen Entwicklungsmöglichkeiten, sein Wagemut und seine Rastlosigkeit brachten es mit sich, dass er seinem Vater erklärte, Modellschlosser werden zu wollen. Davon ließ er sich auch nicht abbringen. So lernte Heinrich Künkel, am 1. Januar 1878 geboren, in den Jahren 1892-1895 in der Eibelshäußer Hütte das Modellschlosserhandwerk.

Nach beendeter Lehre zog es ihn fort aus der engeren Heimat. Immer wieder wechselte er, obwohl schon Werkmeister geworden und als Fachmann anerkannt, die Stellungen. Sein unternehmerischer Geist ließ ihn nicht zur Ruhe kommen, und rechtzeitig schaffte er die Voraussetzungen, in seinem Berufe selbständig seinen Weg weiter zu gehen. In der Kreisstadt Alfeld an der Leine fand Heinrich Künkel die Stätte und die Menschen, die ihm zur Gründung eines eigenen Unternehmens geeignet erschienen. Mit nur wenigen aber tüchtigen Facharbeitern wurde im November 1907 die Fabrikation von Holz- und Metallmodellen für Gießereizwecke begonnen. Die Ersparnisse, die Heinrich Künkel besaß und die er in die anfangs nur kleine Werkstatt hineinsteckte, waren recht bescheiden. Mut und Gottvertrauen gehörten schon dazu, um etwas daraus werden und wachsen zu lassen. Das Ziel aber war gesteckt, und die Leistung wurde mit größter Beharrlichkeit gesteigert. Bei der Fertigung von Handformmaschinen für die verschiedenen Verwendungszwecke konnte von der Einzelanfertigung zur Serienfabrikation übergegangen werden. Heute überraschen den Besucher immer wieder der außergewöhnlich moderne Maschinenpark und die besonderen Einrichtungen, mit denen die fertigen Maschinen und Modelleinrichtungen ständig geprüft werden.

Die Zusammenarbeit beider Gruppen, des Maschinenbaues und des Modellbaues, ermöglichen der Firma Künkel, Wagner & Co., der Gießereiindustrie Formmaschinen einschließlich Modelleinrichtungen und Formkästen nicht nur gut durchkonstruiert, sondern auch fertig ausprobiert und betriebsbereit zur Verfügung zu stellen. Damit ist Künkel, Wagner & Co. in Deutschland, vielleicht sogar in der Welt, die einzige Firma, die in der Lage ist, die auf ihrem Arbeitssektor benötigten Maschinenaggregate komplett und sofort einsatzbereit zu liefern. Dies ist einer der Gründe, die auch im Ausland die Fabrikate dieser Firma begehrt gemacht haben. Im Zuge der technischen Weiterentwicklung und den Wünschen der Gießereien entsprechend wurden weiterhin Druckluft – Formmaschinen konstruiert, die es ermöglichen, auch ungelernte Arbeiter in der Formerei einzusetzen und damit die Wirtschaftlichkeit zu steigern. Heinrich Künkel war bestrebt, sich auf eine bestimmte Gruppe und Größe von Maschinen zu konzentrieren, um das Ergebnis der Fertigung möglichst günstig zu gestalten. Bei aller erforderlichen Vielseitigkeit kam es ihm darauf an, bei seinen Erzeugnissen ein Höchstmaß an Qualität zu erreichen. Seine geschickte kaufmännische Planung zeigte sich in der Erhöhung des Exports, der sich nach und nach auf fast alle Länder der Erde ausdehnte und dazu beitrug, das Ansehen der Firma zu festigen.

Eine so genannte „Lohntüte“ – Der Lohn bzw. das Gehalt wurde bis zu Einführung des flächendeckenden Bankkontos in bar ausgezahlt

Der zweite Weltkrieg unterbrach die weiteren Planungen auf dem Gebiete der Konstruktion von Gießerei-Formmaschinen. Kurz vorher konnte die Abteilung Modellbau noch in einem eigenen, mit modernsten Maschinen ausgerüsteten Gebäude untergebracht werden. Nach 1945 bedurfte es neuer Initiative und eines starken Willens, lag doch ein großer Teil der Gießereiindustrie durch Kriegseinwirkung schwer danieder. Das Fehlen des Exportgeschäftes kam erschwerend hinzu. So war es klar, dass man auch in der neuen Produktion zuerst an den Wiederaufbau und den damit verbundenen Bedarf dachte. Eine Steinputzmaschine zur Trümmerverwertung legt unter anderem hierfür Zeugnis ab.

Die vorhandenen Gießerei-Formmaschinen wurden in Konstruktion und Ausführung verbessert und dem neuesten Stand der Technik angepasst. Hinzu kamen Neuentwicklungen, um den gestiegenen Ansprüchen der Gießereien nach Produktionserhöhungen gerecht zu werden. Trotz der seit dem ersten Weltkrieg immer wiederkehrenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten hat Heinrich Künkel fast in all diesen Jahren seine Belegschaft, die zurzeit 250 Beschäftigte zählt, in gleicher Höhe halten können. Das große Verständnis, das Heinrich Künkel, der selbst einst an der Werkbank seines Betriebes gestanden hatte, den Nöten und Sorgen seiner Arbeiterschaft entgegenbringt, hat die Leitung des Betriebes mit der Belegschaft fest zusammenwachsen lassen. So entwickelte sich ein Gemeinschaftsgeist, der sich in guten und schweren Tagen aufs beste bewährt hat und neben der Tatkraft des Inhabers einer der Hauptgründe für das Aufblühen der Firma gewesen ist. Große Sorgfalt gilt der Nachwuchsausbildung. In eigener mustergültiger Lehrwerkstatt und Werk schule werden in Zusammenarbeit mit der Berufsschule die Anlagen der Lehrlinge gefördert. Ständig betreut ein Werkarzt besonders die Jugendlichen. Bei Ausscheiden infolge Alters oder Krankheit erhalten die Betriebsangehörigen aus einer Unterstützungskasse eine angemessene Beihilfe. Heute noch steht der 74jährige Inhaber in alter Schaffenskraft an der Spitze seines Werkes. Angestellte und Arbeiter wissen, dass er immer bereit ist, zunächst einmal sämtliche Sorgen auf sich selbst zu nehmen. Der jüngste Sohn Rainer wird – nachdem seine beiden Brüder im Krieg gefallen sind — gründlich darauf vorbereitet, einmal das väterliche Erbe zu übernehmen und ihm im gleichen Geiste vorzustehen.
Quelle: Köpfe und Kräfte im Land Niedersachsen 1952

Heinrich Künkel 1951


Aus dem Fabrikationsprogramm:

Moderne Gießerei-Formmaschinen, wie:
Handstampf- und Handpreßformmaschinen,

Druckluft-Formmaschinen, wie:
Druckluft-Rüttel-Pressformmaschinen
Umschwenk-Rüttel-Formmaschinen und Kernpressformmaschinen
Sandaufbereitungsmaschinen
Kernblasmaschinen
Modelle, Modelleinrichtungen in Holz und Metall aller Art
Kernformeinrichtungen
Kokillen für Leicht- und Schwermetallguss
Formkästen aus Gusseisen
Stahl und Leichtmetall
Bohr- und Fräseinrichtungen für Formkästen
Vibratoren, Stampfer und sonstiges Zubehör für Maschinen und Modelleinrichtungen


ALFELDER MASCHINEN- UND MODELL- FABRIK, KÜNKEL, WAGNER & CO.

1975

Blick auf das neue Verwaltungsgebäude in bester „Gestern & Heute“ – Manier

2008

1974

1980er

2008


1964 – Bau Montagehalle Künkel & Wagner

1964 war es, als sich die Firma Künkel & Wagner erneut vergrößern musste. So lag es nahe, die Gärten des Stiftes von St. Elisabeth an der Hannoverschen Straße dafür zu nutzen, die man hier auf dem Foto von 1964 noch sehr schön sehen kann, obgleich die Bauarbeiten schon begonnen haben. Das Firmengelände zum Bau der neuen Montagehalle beginnt unmittelbar hinter der Hecke. Halblinks im Bild das zum Zeitpunkt der Fotoaufnahme noch zum Teil bewohnte Hospital St. Elisabeth mit der großen Linde davor, welche leider hier den Blick auf die dahinterliegende Kapelle verdeckt. Diese Aufnahme ist in so fern eine Rarität, da in der berühmten Kurve bei St. Elisabeth ausnahmsweise mal kein Auto zu sehen ist. Auch 1964 war die Hannoversche Straße schon eine vielbefahrene Hauptverkehrsstraße, ein Nadelöhr.

Rechts der Straße in voller, stattlicher Größe, das ehemalige Wohnhaus der Familie Künkel. Der davor befindliche „Berg“ sowie der Koppelweg mussten später ebenfalls dem Neubau der Werkhalle weichen. Aufgrund der Hanglage des gesamten Geländes sind hier enorme Erdbewegungen geleistet worden, auch rutschte der Hang während der Bauarbeiten einmal in die Baustelle.

Die obige Vergleichsaufnahme passt entgegen unseres eigentlichen Anspruchs überhaupt nicht, hätten wir exakt die gleiche Perspektive gewählt würden wir nur gegen eine Hecke und Mauerwand sehen.

Künkel & Wagner mit Sitz an der Hannoversche Straße wurde 1907 in Alfeld gegründet. Seitdem befindet sich der Hauptsitz der international tätigen Firma mit Verwaltung, Entwicklung, Produktion und Projektmanagement in Alfeld. Tochterfirmen bestehen in den USA, in Indien und in China. Zurzeit hat das Unternehmen 230 Mitarbeiter, die in einem umfangreichen gießereitechnischen Liefer- und Dienstleistungsprogramm beschäftigt sind. Seit dem Bau der ersten (Hand-) Formmaschine im Jahr 1911 hat Künkel Wagner die Entwicklung der Gießereitechnologie entscheidend vorangetrieben und eine große Bandbreite an Gießerei-Ausrüstungen entwickelt. Das alte Bild stammt aus den sechziger Jahren.


2011 – Luftbild

 


Letzte Bearbeitung: 28.04.2019