Kalandhaus

Zu den bedeutendsten Gebäuden Alfelds gehörte das Kalandhaus. Es war ursprünglich im Besitz der Kalandbruderschaft, also einer Vereinigung von Geistlichen und angesehenen weltlichen Persönlichkeiten. Diese haben sich nicht zuletzt durch ihren Bildungsstand und ihr soziales Herkommen von der übrigen Einwohnerschaft abgehoben, sie redeten und dachten demzufolge auch in anderer Art und Weise. Dies zeigte das Programm des nach Osten ausgerichteten Kalandhausgiebels.

Bereits die Hinwendung auf die aufgehende Sonne deutet auf alchemistische Gedankengänge, die sich in der Zahlensymbolik der Schnitzplatten und der Schmuckbilder ebenso anzeigen. So entsprach beispielsweise die Vierzahl bei den Elementen, Temperamenten und Kontinenten der so genannten Zahl der Welt. Sie war zugleich der Hinweis auf die Königsherrschaft Gottes, die alle vier Himmelsgegenden bzw. Hauptwindrichtungen beanspruchte und die in der Zahl 7 bzw. der 12 als Durchdringung mit der Drei (Heilige Dreieinigkeit, „Alle guten Dinge sind drei”, Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft usw.) oft genug vorkommt. Neben anderen Völkern waren die Elemente beispielsweise auch unseren Vorfahren heilig, was die Brauchtums- und Sagentraditionen der alteingesessenen Bevölkerung heute noch beweisen. Man opferte ihnen und schätzte ihre reinigende und heilende Kraft.
Die „Mutter Erde” galt als Hüterin geheimer Schätze, vor allem als die Spenderin von Kraft und Nahrung. Außerdem spielte sie beim Totenkult eine Rolle. Das Feuer gibt Wärme und Licht, macht Speisen genießbar, vernichtet das materiell und geistig Morsche, Alte und Unreine. Blitz und Sonne rückten das Element in den Bereich des Übernatürlichen und Göttlichen. Das Wasser hat seine Bedeutung für viele Berufe. Seine reinigende, löschende und fruchtgebende Wirkung ist in der Taufe ebenso spürbar wie im praktisch-täglichen Bereich. Die Germanen kannten einen Totenstrom, Quellen und Brunnen als Verbindung zur Unterwelt. Die Luft ist die feinste Substanz. Unbewußt lebt man in ihr und empfindet sie erst, wenn sie weht, Gerüche zuträgt oder entzieht. Man verbindet mit ihr Reinigung, Vegetationsbefruchtung, Lebensodem, aber auch das Vergängliche, Unbeständige wie Leere. Ähnliche Bedeutungen haben die anderen Bildplatten.

1890 – Die bereits im Jahre 1381 erwähnte Kalandbruderschaft besaß für ihre Zusammenkünfte ein Anwesen, das später in städtischen Besitz überging. Sein Erkervorbau von 1615 trug die Schitzplatten, auf die wir später noch eingehen werden an dieser Stelle. Er brannte 1906 ab. Bei der Gesamtansicht ist noch die ehemalige schmale Mühlengasse zum Markt hin und rechts die sog. Rote Schule zu sehen.

Um 1900, unmittelbar vor der Brandkatastrophe.

1900er

Der Kalandhausgiebel nach dem Brandes im Jahre 1906. Der Giebel war 1615 gebaut worden. Einige Schnitzplatten haben sich im Alfelder Heimatmuseum bis heute erhalten und sind sehr sehenswert.