Projekt Stolpersteine

ERINNERUNGSKULTUR IN ALFELD 

Jüdisches Leben in Alfeld (Leine)

Ein gemeinsames Projekt von Schule, Archiv, Stadt und lokaler Geschichtsarbeit

Die Beschäftigung mit jüdischem Leben in Alfeld ist kein abgeschlossenes Einzelvorhaben. Sie verbindet die Arbeit mehrerer Schülergenerationen, die Bestände von Museum und Stadtarchiv, das Engagement der Stadt sowie die langjährige lokale Erinnerungs- und Forschungsarbeit.

Erinnerungsarbeit über Generationen

Bereits 1988 untersuchte ein Geschichtsleistungskurs des Gymnasiums Alfeld unter Leitung von Reinhardt Möldner die jüdische Geschichte des Altkreises. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten in Archiven, befragten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und veröffentlichten erste Ergebnisse. Die 1989 erschienene Dokumentation der Geschichtswerkstatt Alfeld, spätere Projekte wie „Vernetztes Erinnern“ und die Zusammenstellung „Jüdisches Leben in Alfeld“ von 2016 bauten auf dieser Arbeit auf und bewahrten zahlreiche Quellen und Erinnerungen.

Damit entstand über Jahrzehnte kein fertiges Geschichtsbild, sondern ein wachsender Arbeitsbestand. Jede neue Generation konnte ältere Aussagen prüfen, ergänzen oder berichtigen. Gerade diese Kontinuität macht das Projekt zu einem Beispiel dafür, wie lokale Geschichte gemeinsam getragen und immer wieder neu erschlossen werden kann.

Die aktuelle Initiative des Gymnasiums

Im Dezember 2025 wandten sich Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums mit der Idee an die Stadtverwaltung, in Alfeld Stolpersteine anzuregen. Die Klasse 10RL hatte sich zuvor bei einem Stadtrundgang mit der Verfolgung und Vertreibung jüdischer Einwohnerinnen und Einwohner beschäftigt. Unter Leitung von Theresa Richter entschied sie, das Thema eigenständig weiter zu erforschen.

Bildschirmansicht des Schulberichts zum Archivbesuch der Klasse 10RL vor dem Stadtmuseum Alfeld
Schulbericht zum Archivbesuch der Klasse 10RL im Februar 2026. Quelle: Gymnasium Alfeld / Projektbestand.

Am 12. Februar 2026 folgte ein erster Projekttag im Museum. Unter Anleitung von Christina Sürig sichteten die Jugendlichen historische Zeitungen, Adressbücher, Zeitzeugenberichte und Schriftstücke der Verwaltung. Im Mittelpunkt stand nicht nur das Sammeln von Informationen, sondern das genaue Lesen, Vergleichen und Einordnen der Quellen. Die Jugendlichen wurden damit selbst zu Akteuren der lokalen Geschichtsforschung.

Museum und Stadtarchiv als Arbeitsorte

Museum und Stadtarchiv stellen die historischen Grundlagen bereit. Dort liegen Verwaltungsakten, Meldeunterlagen, Zeitungen, Fotos und ältere Forschungsarbeiten, aus denen sich Lebenswege rekonstruieren lassen. Die Mitarbeitenden helfen bei der Orientierung im Bestand und vermitteln, wie historische Dokumente gelesen und quellenkritisch bewertet werden. Zugleich zeigt das Projekt, dass die Sichtung und Erschließung des Materials eine langfristige Aufgabe bleibt.

Stadtverwaltung und Rat schaffen den Rahmen

Die Stadtverwaltung nahm die Initiative auf und beschrieb in der Ratsvorlage vom 24. Februar 2026 die weiteren Anforderungen: Biografien müssen sorgfältig geprüft, Angehörige gesucht, Adressen geklärt und mögliche Inschriften abgestimmt werden. Auch Genehmigungen, Patenschaften und eine spätere Zeremonie benötigen Vorbereitung.

Am 18. März 2026 begrüßte der Rat der Stadt Alfeld die Initiative einstimmig und beauftragte die Verwaltung mit der Prüfung, ob und inwieweit eine Verlegung bei der Stiftung beantragt werden kann. Damit wurde noch kein Beschluss über konkrete Namen, Standorte oder die Zahl möglicher Steine gefasst. Der Rat gab vielmehr den Auftrag, die historische und organisatorische Grundlage verantwortungsvoll zu erarbeiten.

Lokale Geschichtsarbeit und Angehörige

Das Vorhaben knüpft an die Arbeit der Geschichtswerkstatt, früherer Schulprojekte, lokaler Sammlungen und ehrenamtlich Forschender an. Ihre Unterlagen helfen, verstreute Quellen zusammenzuführen und offene Fragen sichtbar zu machen. Für die weitere Arbeit sind außerdem Angehörige und Nachkommen von besonderer Bedeutung: Sie können Familienwissen, Dokumente und persönliche Perspektiven beisteuern und sollen in Entscheidungen über Formen des Gedenkens einbezogen werden.

Wie es weitergeht

In den nächsten Schritten werden die vorhandenen Unterlagen systematisch ausgewertet und einzelne Lebensgeschichten weiter abgesichert. Namen, Geburtsdaten, Wohnorte, Verfolgungswege und Todesangaben müssen mit Originalquellen abgeglichen werden. Parallel gilt es, Angehörige zu recherchieren und mit der Stiftung sowie den zuständigen Stellen die Voraussetzungen möglicher Stolpersteinverlegungen zu klären.

Nicht jedes Forschungsergebnis muss zwangsläufig zu einem Stolperstein führen. Denkbar sind auch andere Formen öffentlicher Erinnerung – etwa Informationstafeln, digitale Biografien, Ausstellungen, Stadtrundgänge oder schulische Präsentationen. Entscheidend ist, dass die Menschen hinter den Akten sichtbar werden und die gewonnenen Erkenntnisse dauerhaft zugänglich bleiben.

Der weitere Weg bleibt bewusst offen: Das Projekt soll gründlich wachsen, verschiedene Akteure zusammenführen und eine Form des Gedenkens entwickeln, die historisch belastbar, öffentlich verständlich und den betroffenen Menschen angemessen ist.

Grundlage: „Judentum in Alfeld (Leine) – Gemeinde, Alltag, Entrechtung, Vertreibung und Erinnerung“, quellenkritische Gesamtdarstellung, Projektstand 24. Juli 2026; Ratsvorlage 555/XIX der Stadt Alfeld (Leine); Projektunterlagen des Gymnasiums Alfeld.
Vertrag widerrufen Vertrag widerrufen
Widerrufsformular
Bitte warten ...