Friedhofskapelle

Die Friedhofskapelle in Alfeld

Gedanken über die Friedhofskapelle auf dem Städtischen Friedhof Alfeld an der Kalandstraße. Der Friedhof heißt offiziell, An der Hildesheimer Straße weil, als er angelegt wurde, der einzige Eingang an der Hildesheimer Straße war.

Bis zum Jahre 1938 oder 1939 fanden die Trauerfeiern in der Wohnung der Verstorbenen statt. Der Sarg wurde anschließend mit dem Leichenwagen, der von zwei  schwarzen Pferden des Landwirts Fritz Otto zum Friedhof gezogen. Im Zeichen der aufkommenden Motorisierung sollten die oft langen Trauerzüge, sie immer Vorfahrt hatten, abgeschafft werden. Der Landkreis Alfeld hatte Anfang des Jahres 1939, 1000 zugelassene Motorfahrzeuge IS 501 – 1500.

Aus diesem Grunde wurde die Friedhofskapelle gebaut. Der Neubau wurde außen mit Zyklopenmauerwerk aus Thüster Kalkstein errichtet. Die Eingangstreppe wurde außen aus härterem heimischen Dolomit hergestellt. Innen wurde die Kapelle aus normalem Ziegelmauerwerk gebaut, dann geputzt und weiß gestrichen. Der Entwurf dieser Kapelle stammte vom Lamspringer Architekten Harboth.

Wer die Maurer- Zimmer- Dachdecker – Tischler und Malerarbeiten ausgeführt hat, ist mir nicht bekannt, muss aber im Städtischen Archiv verzeichnet sein. Jedenfalls wurde mir von einem altem Alfelder Handwerksmeister erzählt, dass die künstlerische Ostwand und die Fenster der damaligen Kunstgewerbeschule in Hildesheim übertragen wurde.

Foto: Henning Bode, Alfeld

An der Ostwand, über dem Altar, stand in großen Buchstaben in Goldschrift in Unziale: ES LEBE NIEMAND, ER KÄMPFE DENN. In den 1960er Jahren wurde auf Betreiben des Superintendenten Sprondel diese Inschrift entfernt und ein christlicher Spruch wurde dort aufgezeichnet. Ebenso wurde das Holzkreuz über dem Westgiebel angebracht. Der Bibelspruch hat aber nicht lange gehalten, denn durch ein Feuer im Dachgeschoss der Kapelle, in dem die Orgel untergebracht war, drang der Rauch durch die vorhandenden Schallöffnungen in den Hauptraum der Kapelle. Alles war vom Rauch geschwärzt und musste neu gestrichen werden.
Die Ostwand wurde ohne Spruch renoviert. Die Fenster, welche auch heute noch im Originalzustand sind, mussten nur gewaschen werden. Die Sprüche, die aus der Edda sind, wurden vom Sohn des Malermeisters Wilhelm Meyer (Gudewillstr.), der leider im Kriege gefallen ist, entworfen und gemalt.

Im Zeitrausch der damaligen Zeit (NS Regierung) blieb es nicht aus, dass einige Runen mit zur Verzierung in die Fenster kamen. Als Anfang der 1970er Jahre Pastor Butler (sein Vater saß einige Jahre im KZ) nach Alfeld kam, hat dieser in einem großen Artikel in der AZ vor allem die Siegesrune  angeprangert.
In der darauf folgenden Sitzung des Grundeigentumausschusses wurde eine Ortsbesichtigung angesetzt. Bei diesem Ortstermin fragte der älteste Beigeordnete Fritz Lampe mich , den jüngsten Ratsherren: „Wilhelm, was machen wir denn da?“ Meine Antwort kam schnell und war: „In der Bleiverglasung tauschen wir das vordere Stück der Rune, die voll in rot ausgeführt ist, in blau oder grün aus und der ganze Effekt der Nazirune ist weg.“

Über diese einfache und kostengünstige Lösung war der gesamte Ausschuss begeistert. Noch bevor diese Angelegenheit den Verwaltungsausschuss erreicht hatte, hatte Pastor Butler wider einen Artikel in der AZ losgelassen. Daraufhin schlug Bürgermeister L. Köbler vor: Es bleibt wie es ist, damals als die Kapelle gebaut wurde, mussten diese Embleme verwendet werden. Der Ausschuss stimme zu.

Wilhelm Krösche, 18. September 2016

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„Vernetztes Erinnern“
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