Die „Anlagen“. Der Name rührt her vom „anlegen“. Man unterscheidet zwischen Oberen und Unteren Anlagen. Die Oberen Anlagen erstrecken sich von der Seminarstraße bis zur Kalandstraße, die Unteren Anlagen von der Kalandstraße bis hin zur Ravenstraße. Diese werden nur „unterbrochen“ von der Holzer Straße.
Sie heißen „Anlagen“. Sie heißen auch nicht „Wallanlagen“. Es ist auch kein Park, oder Stadtpark. Es sind die „Anlagen“.
1914
Zum Pfingstfest 1912, das auf den 26. Mai fiel wurden in Alfeld die „Seminar-Anlagen“, aus der die heutigen städtischen Wallanlagen hervorgegangen sind, für die Spaziergänger freigegeben.
Alfeld erhielt mit den Seminar-Anlagen seinen ersten öffentlichen Park. Die älteren Alfelder erinnern sich noch an den einstigen Zustand des Wallgrabens, in welchem die sich hinter dem heutigen Haus Kreutzburg in drei Arme teilende Warne offen dahinfloss, während der eine Arm wie heute zum Zellstoff-Werk und zum Mühlenarm, und der andere parallel zur Seminarstraße und unter der Kalandstraße hindurch über den Marktplatz abzweigte und die beiden Warnemühlen treiben musste. Die Warne wurde von der so genannten alten Brauerei ab, von der in den Anlagen lediglich noch die Mauern des Eiskellers am großen Teich zeugen, bis zum „Lemmerschen Garten“, der heute von der Holzer Straße ab in die Anlagen einbezogen ist, (Röhrig-Anlagen) kanalisiert.
Die Seminar-Anlagen waren ein verhältnismäßig bescheidener Anfang. Damals stand noch die „Alte Brauerei“. Das Warnewasser stürzte sich noch über den Überfall donnernd in die Tiefe des Wallgrabens, an den sich zur Bismarckstraße hin der „Rektor-Garten“ anschloss“.
Zur Bismarckstraße führte vom Wall aus ein Weg. Er mündete gegenüber der Gärtnerei Klapproth in die Bismarckstraße. Die Bornstraße war noch eine Sackgasse. Da, wo sie heute auf den Wall einmündet, befand sich vor 1912 der Eingang zu den-„Seminar-Anlagen“, deren Attraktion das winzige Wasserbecken vor einer Art Alpinum bildete. Jenseits der Kalandstraße lag der Wallgraben noch offen da. Etwa zehn Jahre nach dem ersten Weltkrieg entstand die Fortsetzung der Anlagen bis an die Grenze des ehemals Lemmerschen Gartens, bis auch dieser in sie einbezogen wurde.
Im Grunde genommen haben wir die Anlagen allein der Arbeit eines schlichten Mannes‘ zu verdanken, der später mit grimmiger Wachsamkeit dafür einstand, dass nichts kaputt gemacht und sich gesittet aufgeführt wurde. Das war der alte Stadtobergärtner Ludwig Röhrig.
Die Anlagen sind sein Lebenswerk, er hat ihnen mit großer Liebe viele Jahre gewidmet und ist nie müde geworden sie fortwährend durch Neuanpflanzungen z. T. seltener Gehölze, Büsche und Stauden zu ergänzen, wobei ihm der damalige Inhaber der Ratsapotheke, der alte Apotheker Förster, botanische Ratschläge gab und auch sonst das Werk förderte.
Beider Namen sind in den „unteren Anlagen“, wie sie früher genannt wurden, festgehalten worden.
Um 1900
1910er Jahre
Von den Oberen Anlagen fällt der Blick auf den östlichen Teil des Lehrerseminars. Es wird von einem Dachreiter gekrönt. Die hohen Fenster deuten auf die Aula hin. Am Wall steht ein kleines Gebäude. Auffallend ist der junge Bewuchs der kurz vor dem Ersten Weltkrieg begonnenen Anlagenumgestaltung. Am Fuß des Walles erkennt man einen Steingarten.
Bild oben: Seminar mit Anlagen in den 1910er Jahren
Ein gärtnerisches Kleinod waren die Alfelder Anlagen von jeher. So ist es auch bei dieser zeitgenössischen Aufnahme (oben) aus den 1910er Jahren, die uns einen Blick über die Oberen Schmuckanlagen zum 1882 bis 1884 erbauten Ostteil des ehemaligen Lehrerseminars bzw. späteren Pädagogischen Hochschule ermöglicht.
Ein künstlich angelegter Steingarten bzw. Alpinum mit einem Goldfischbecken war lange Zeit für seine seltenen und sorgfältig gepflegten Pflanzen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Dieser wurde von den Seminaristen liebevoll gepflegt und behütet. Zu den weiteren Alfelder Naturdenkmäler gehörten ebenfalls die mächtigen Linden im Garten des Seminars, Staketzäune trennten den Seminargarten von den Wallanlagen. Als 1972 die Gemäuer der Lehrerbildungsanstalt der Abrissbirne zum Opfer fielen war es der Anfang vom Ende des bis dahin gepflegten Alpinums und später auch der Schmuckanlagen, ehe man sich zu Beginn der 2000r Jahre wieder auf diese innerstädtische Grünanlage besann und sich im Rahmen der Aktion „Ab in die Mitte“ wieder der Pflege zuwandte.
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Die Grotte in den Anlagen
Ein Schattendasein im Bewusstsein der meisten Alfelder führt die „Grotte“ im Bereich der unteren Anlagen. Die nachfolgende Aufnahme zeigt das auf den ersten Blick unscheinbare Bauwerk im Jahr 1916, welches sich im hinteren Bereich (Ostwall), in Richtung Holzer Straße befindet.
Die Alfelder Chronik aus dem Jahr 2008 schreibt dazu: „ …in dieser Zeit mag auch der Ursprung des bis heute erhaltene Grottenbauwerks bei der Schanze am Brauerweiwall liegen, über dessen Bewandtnis bis heute nur Vermutungen angestellt werden können…“ – Weiterhin steht dort geschrieben:
„Die ersten Aufnahmen der Grotte entstanden um 1908 und zeigt dieses kunstvolle, an drei aufrecht stehende Muschelschalen erinnernde Grottenmotiv aus Kalkbruchstein. Dank einer sorgfältigen Verankerung mittels eingelassener Kupfernägel befanden sich die aufgesetzten Steine bis vor wenigen Jahren in kaum veränderter Lage.“
Unsere Vergleichsaufnahme stammt aus dem Jahr 2009 und spiegelt die Beschreibung deutlich wieder.
1920er Jahre – Der Steingarten, das „Alpinum“
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1929 – Im Hintergrund erhebt sich die alte Marienkirche
1930er Jahre
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1933
1940er Jahre
1941 |
1943 |
1944 |
1946 – Hochwasser
Am 8. Februar 1946 wälzte sich eine verheerende Flutwelle infolge des überlaufenden Warnewehrs nicht nur durch die Oberen Anlagen, sie setzte ihre weitere Zerstörung über die Kalandstraße bis in die unteren Anlagen fort. Weiterlesen…
1950er Jahre
Ist es er? – DER Parkwächter Heinrich Philipp? Im Bild links mit Hund? |
6. Juli 1955 |











































































































































































