Himmelbergturm

Der erste Himmelbergturm bestand aus einer Aussichtsplattform in einem stark gegabelten Baum unweit des heutigen Turms und wurde in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts vom „Alfelder Verschönerungsverein“ errichtet. Er sorgte auch für den Bau des Eisenturms der von 1930 bis 1985 für den richtigen Rundumblick vom Himmelberg sorgte. Der heutige, massive Turm wurde 1985 erbaut.

Bewirtung seit ca. 1896
1. Turm: Baumplattform, um 1900
2. Turm: Eisenkonstruktion, Fertigstellung 08.10.1930 – Einweihung, aufgrund Ende der Wandersaison erst am 10.05.1931
3. Turm: Aufbau Betonkonstruktion 1985 – Einweihung 11.05.1985 – Abbruch der Stahlkonstruktion des alten Turmes, 2. Jahreshälfte 1984

„Der Ausblick von hier ist entzückend“

Um 1900 wurde das erste Aussichtsgerüst auf dem Himmelberg gebaut. Die Initiative dazu kam vom Alfelder Verschönerungsverein. Das Gerüst war aus Holz und befand sich in einer Eiche. Von dort hatte man einen Blick ins Leinetal und hinüber zum Külf, zum Ith und zum Hils.
Da das Holzgerüst nicht witterungsbeständig war und jedes Jahr aufs Neue repariert werden musste, gab es 1930 den Beschluss zum Bau eines neuen Aussichtsturms.
Zwei Varianten standen zur Auswahl: ein Holzturm aus geteerten Telegrafenmasten und ein Eisenturm

Da die Kosten des witterungsbeständigeren Eisenturms die des Holzturms nur wenig überschritten, fiel die Entscheidung zugunsten des Eisenturms.
Die Baukosten von 4.000 Mark trugen die Stadt und der Landkreis Alfeld, einen großen Betrag spendete die Alfelder Bevölkerung, außerdem stellten Alfelder Firmen Material und Arbeitsleistung kostenlos zur Verfügung.
Hergestellt wurde der Turm vom Alfelder Eisenwerk, am 8. Oktober 1930 war er fertig; die Einweihung fand am 11. Mai 1931 statt. Etwa 17m hoch ragte der neue Himmelbergturm nun über die Baumwipfel und erlaubte einen Rundblick über das Leinetal, den Sackwald, die Siebenberge und die Vorberge und bei gutem Wetter eine Fernsicht bis zum Brocken, dem höchsten Berg im Harz.

Über 50 Jahre lang war dieser Turm ein beliebtes Ausflugsziel für die Alfelder und auswärtige Gäste.
Anfang der 1980er Jahre hatten die Schäden an ihm dann solche Ausmaße angenommen, dass er 1984 gesperrt werden musste. Bereits 1983 war eine Spendenaktion zugunsten eines neuen Himmelbergturms ins Leben gerufen worden. Diesmal fiel die Entscheidung für einen Turm aus Stahlbeton. 1985 wurde er gebaut.
Die Kosten teilten sich wiederum der Verkehrs- und Verschönerungsverein, die Stadt Alfeld, der Landkreis Hildesheim und die Kreissparkasse Alfeld, unterstützt von Spenden der Alfelder Bevölkerung.
Der neue Himmelbergturm ist ca. 22m hoch. Über 119 Stufen erreicht man die Aussichtsplattform.
Die erste Renovierung des Turms erfolgte im Jahr 2005.

 

Inschrift auf der Plakette des heutigen Himmelberturms:

DURCH DIE GROSSE SPENDENBEREITSCHAFT DER BEVÖLKERUNG,
DES ÖRTLICHEN HANDELS UND HANDWERKS, DER ALFELDER ZEITUNG,
DER GEWERBE- UND INDUSTRIEBETRIEBE, DES INDUSTRIEVEREINS,
DER VEREINE, VERBÄNDE UND SONSTIGEN INSTITUTIONEN
KONNTE DIESER HIMMELBERGTURM IN DEN JAHREN
1984 UND 1985 ERRICHTET WERDEN.
BESONDEREN ANTEIL AN DER VOLLENDUNG DIESES BAUWERKES
HABEN DIE KREISSPARKASSE ALFELD(LEINE) UND DIE
VOLKSBANK DURCH IHRE GROSSZÜGIGEN ZUWENDUNGEN.

Turmhöhe: 22,12 m – Höhe über NN: 329,5 m

Erbaut von der Baugemeinschaft LAUMANN-LAMPE, Alfeld(Leine)

Bis 1980

1930er Jahre – Blick im Turm nach oben

1933

 

1933

       

1940er Jahre

1953

1954

 

1966

   

1970er Jahre

Ab 1980

Bau des neuen, aktuellen Turms -1985

Blick von oben am Tag der Einweihung – 1985

 

Der 1. und 3. Turm – 1985

       

1987

1990er Jahre

1990er Jahre

1996

       

Blick vom Himmelbergturm

1978

1981 – Wer kennt diese Perspektive nicht ???

1981

Panoramabild 2003, unbedingt anklicken…

2003

         

Eine Schöne Aussicht

Die Geschichte des Himmelbergs und des Himmelbergturms

Die früheste Nachricht vom Himmelberg ist aus dem 16. Jahrhundert. Damit die Bürger sich mit Holz versorgen konnten, schenkte Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig und Lüneburg 1540 der Stadt Alfeld den „Meineberg“, ein Gebiet, das Waldflächen in den Sieben Bergen und um Langenholzen umfasste.
Der „Hemelberg“ (Himmelberg) war ein Teil davon. Jahrhunderte lang nutzten die Menschen den Wald zum Schlagen von Bau- und Feuerholz, sie holten Laub als Streu für ihr Vieh, die Eichenbestände lieferten Lohe (Eichenrinde) als Grundstoff für das Gerben von Tierhäuten und im Herbst trieb man die Schweine zur Eichelmast dorthin. Im 19. Jahrhundert setzte die Industrialisierung ein und die wirtschaftliche Waldnutzung ging nach und nach zurück.

Fabrikschlote und Aussichtstürme: Die Menschen entdecken die Natur

Durch die Industrialisierung veränderte sich der Umgang der Menschen mit der Natur. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes und die Entstehung von Fabriken bzw. Industriegebieten führten zu massiven Eingriffen in die Umwelt: Schienenstrecken zerschnitten die Landschaft, Industriebetriebe entstanden in bis dahin ausschließlich landwirtschaftlich genutzten Gebieten, aus Fabrikschornsteinen, die jetzt statt der Kirchtürme die Silhouetten der Städte prägten, quoll Rauch, der die Luft verschmutzte.
Als Reaktion auf diese radikale Veränderung der Lebenswelt verstärkte sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Bürgertum eine romantische Sicht auf die Natur. Überall in Deutschland wurden Verschönerungsvereine gegründet. Sie sahen es als ihre Aufgabe an, den Menschen vor Ort die Schönheit und Individualität ihrer Heimat nahe zu bringen und somit der Landschaftszerstörung durch die Industrie etwas entgegen zu setzen. Sie förderten u.a. die Anlegung von Wanderwege-Netzen und den Bau von Aussichtspunkten. Natur bekam neue Funktion. Sie diente der Erholung und der Gestaltung von Freizeit, die zumindest für das Bürgertum der damaligen Zeit an Bedeutung gewann.

Nach und nach entwickelte sich auch der Tourismus.
Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes wurde das Reisen zunehmend zu einem Freizeitvergnügen für die bürgerliche Schicht. Schnell und bequem konnten Reisende größere Entfernungen zurücklegen. Um Besucher anzuziehen, stellten viele Orte neben ihren Sehenswürdigkeiten auch ihre landschaftliche Schönheit heraus.
In dieser Zeit entstanden viele Ausflugslokale im Nahbereich der Städte. Im Grünen, mit Kaffee-Garten und Räumlichkeiten für Feiern sowie Übernachtungs-Möglichkeiten waren sie Ziel sonntäglicher Spaziergänge der Bürgerfamilien, der Ort, an dem Vereine und Schulen ihre Sommer- und Stiftungsfeste feierten und Anziehungspunkte für „Sommerfrischler und Touristen“.

Aussicht ins Leinetal

Auch in Alfeld verlief die Entwicklung in dieser Weise.Im Jahr 1853 erhielt die Stadt einen Eisenbahn-Anschluss und ab etwa 1860 siedelten sich zahlreiche Industriebetriebe an, vor allem entlang der Bahnstrecke. 1861 wurde der „Verein zur Verschönerung des Schlehbergs“ gegründet, 1883 benannte man den Verein dann in „Verschönerungsverein“ um. Die Mitglieder ließen u.a. Wanderwege anlegen und beschildern, Ruhebänke aufstellen und setzten sich für Aussichtspunkte an Orten ein, die einen besonders schönen Ausblick in das Leinebergland boten.
Zunächst war ihre Arbeit nur auf den Schlehberg bezogen, später dann auch auf den Sackwald und die Sieben Berge. Hier eignete sich vor allem der Himmelberg als Aussichtspunkt. Er war mit 308 Metern der höchste Berg in unmittelbarer Nähe der Stadt Alfeld und bot einen weiten Ausblick ins Leinetal. Um 1900 bekam er ein erstes Aussichtsgerüst. 1910 wurde dann auch auf der Hohen Tafel bei Brüggen, der höchsten Erhebung der Sieben Berge, ein Aussichtsturm gebaut.

„Erfrischungsstation Himmelberg“

Schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts war der Himmelberg ein beliebtes Ausflugsziel für Familien, Vereine und Schulklassen.
Mindestens seit 1896 fand dort mehr oder weniger regelmäßig im Frühjahr und in den Sommermonaten eine Bewirtung statt, meist an Sonntagen, auf Anfrage aber auch wochentags. Die Haupt-Ausflugstage waren Himmelfahrt und Pfingsten. Die Bewirtung lag in den Händen von Alfelder Gastwirten oder Hoteliers. Die Veranstaltungs-Angebote gingen vom Kaffeekränzchen bei Apfelkuchen mit Schlagsahne über Frühkonzerte bis hin zu Tanzveranstaltungen.

Quelltext: Ina Gravenkamp, Stadtarchiv