Amtsgericht

Historie des Amtsgerichts Alfeld (Leine)

Durch die preußische Rechtsgesetzgebung von 1850 wurden die vormaligen Patrimonialgerichte aufgelöst und erstmals Verwaltung und Rechtsprechung geteilt. Auf dieser Grundlage wurde 1852 das Amtsgericht Alfeld als von der Verwaltung unabhängige Institution gegründet.

Diese Unabhängigkeit des Amtsgerichtes von der Verwaltung wurde in Alfeld bis zum Jahre 1900 nicht nach außen dokumentiert, denn das Amtsgericht verblieb bis zu diesem Zeitpunkt in den Räumen des Alfelder Rathauses. Der Bezirk des Amtsgerichts Alfeld umfasste fast den ganzen Altkreis Alfeld bis auf die Orte Capellenhagen, Fölziehausen, Duingen und Weenzen, die zum Amtsgericht Lauenstein gehörten.
Das Amtsgericht wurde schon 1852 mit zwei Abteilungen ausgestattet und mit zwei Richtern besetzt, die dienstags und freitags Sitzungen abgehalten haben. Wegen der großen Entfernung nach Lamspringe gab es auf Wunsch des Amtes Lamspringe dort auswärtige Gerichtstage des Amtsgerichtes Alfeld.
In dem umfassenden Werk „Die Geschichte des Kreises Alfeld“ von Paul Graff findet sich eine Namensliste von Alfelder Richtern aus der Zeit von 1852 bis 1924:

Meyer, Cludius, Leonhardt, von Düring, von Zwehl,
Erxleben, von Reck, Francke
seit 1886 Fresenius, seit 1904 Dr. Düsterdiek,
von Buch, seit 1920 Dr. Caspar.

Diese Namensliste kann für die Zeit danach mit der Liste der Oberamtsrichter, später Direktoren wie folgt fortgesetzt werden:

Wiesener, Stiegemeyer bis 1967, Dr. Spiller bis 1975,
Seitz bis 1982, Roffmann bis 1996, Reichert.

Ab dem Jahre 1897 begann die Planung für das neue Gebäude des Amtsgerichts in der Kalandstrasse/Ecke Bismarckstrasse schräg gegenüber dem ehemaligen Alfelder Gymnasium, heute Erich-Kästner-Schule. Die Bauzeichnungen aus dem Jahre 1899 befinden sich inzwischen wieder im Besitz des Amtsgerichts. Sie waren nach dem Krieg nicht auffindbar. Erst 1975 wurden sie auf dem Dachboden der Staatsanwaltschaft Hildesheim gefunden. Ein Staatsanwalt brachte die Mappe zur Sitzung mit nach Alfeld. Aufmerksam geworden auf diesen wichtigen Fund, beanspruchte dann das Staatshochbauamt, jetzt das Staatliche Baumanagement, die Originalzeichnungen. Mit Rücksicht auf das Jubiläum „125 Jahre Amtsgericht Alfeld“ im Jahre 1977 kehrten die Zeichnungen aber nach Alfeld zurück.

1914

Das für die damalige Zeit sehr großzügige und repräsentative Gebäude mit großen Buntglasfenstern ist äußerlich unverändert geblieben. Im Innern spiegelt es alle Veränderungen der Justiz wieder. Während zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die Amtsrichterdienstwohung einen großen Teil des Erdgeschosses ausmachte und 1978 ein zweiter Sitzungssaal eingerichtet wurde, wird heute jeder Raum einschließlich des ausgebauten Dachgeschosses genutzt, um Arbeitsplatz für 4 Richter und 35 Mitarbeiter zu schaffen. Zuletzt schlossen im Jahre 1999 insgesamt 270 Meter Kabelschächte und mehr als 10 Kilometer Kabel das Amtsgericht Alfeld an den neuen Standard der Arbeitsweisen in der Justiz.

Quelle: Amtsgericht Alfeld (Leine)

2014

1906

1910er Jahre, im Hintergrund die noch sehr junge katholische Kirche.

Die Rückseite in den frühen 1970er Jahren

1986